

Dysphagie: Eine Bestandsaufnahme
Unter dem Phänomen neurogene Dysphagie wird eine allgemeine Störung des Schluckvorganges verstanden. Der Schluckvorgang ist ein halbautomatischer Vorgang der den Transport von Speichel, Nahrung, Flüssigkeit etc. von der Mundhöhle in den Magen vermittelt. Die verschiedensten Krankheitsbilder können Ursache von neurogene r Dysphagie sein. Neben Erkrankungen des Kopf-/Halsbereiches, der Speiseröhre und psychosomatischen Erkrankungen bildet die neurogene Dysphagie eine große Gruppe. Man spricht von neurogene r Dysphagie, wenn es durch eine neurologische Erkrankung zu einer Dysphagie kommt, wobei die Ausprägung und Form der Dysphagie von der Art der neurologischen Erkrankung abhängt.
Die neurologische Abteilung der Klinik am Osterbach behandelt Patienten aus dem gesamten Spektrum der Neurologie, es können sowohl sehr schwer betroffene Patienten, die noch erheblich auf Fremdhilfe angewiesen sind (sogenannte Phase C nach BAR) aufgenommen werden als auch Patienten im Rahmen von allgemeinen Heilverfahren. Die am häufigsten in der Klinik vertretenen Patienten sind Patienten nach Schlaganfall (Hirninfarkte und Blutungen), die zugleich die Hauptursachen für neurogene Dysphagie bilden. Des weiteren besteht besondere Erfahrung bei der Behandlung von Dysphagie bei Parkinsonpatienten, ferner Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und entzündlichen Erkrankungen.
Seit circa 6 Jahren hat sich unsere Abteilung auf die Behandlung von Dysphagie spezialisiert. Am Beginn stand die Etablierung der endoskopischen Schluckdiagnostik als unverzichtbare Erstdiagnostik sowie zur Verlaufskontrolle von Patienten mit neurogene r Dysphagie. Für die Durchführung der endoskopischen Schluckdiagnostik wird ein flexibles fiberoptisches, sehr dünnes Endoskop mit einer Lichtquelle durch den unteren und mittleren Nasengang eingeführt. Die Untersuchung wird von dem Patienten nicht nur als leicht belastend bewertet, nach Abschluss der Untersuchung ist der größte Teil der Patienten dazu bereit sich freiwillig einer neuerlichen Endoskopie zu unterziehen. Mittels Kamera werden dann die am Schluckablauf beteiligten Strukturen beurteilt und anschließend im Rahmen der funktionellen Untersuchung Schluckproben mit verschiedenen Konsistenzen unter Sicht durchgeführt. Diese Untersuchung wird in Teamarbeit, d. h. mit dem beteiligten Schlucktherapeuten durchgeführt und auf Video aufgezeichnet. Die Untersuchungsmethode steht in der Regel am Beginn der ganzen Behandlungsmaßnahme da unverzüglich geklärt werden muss, inwieweit eine Aspirationsgefahr besteht und inwieweit mit der Oralisierung begonnen werden kann. Des weiteren liefert die Untersuchung wertvolle Informationen für die anschließende Therapie.
Bislang haben wir circa 850 Endoskopien durchgeführt, hier zeigte sich einerseits eine hohe Treffsicherheit bezüglich des Kriteriums Aspirationsgefährdung, andererseits gelang die Einordnung der neurogene n Dysphagie mit richtungsweisenden Therapieaspekten.
Seit konsequenter Anwendung der Methode, mit entsprechender Umsetzung der gewonnenen Informationen, konnten wir in unserer Klinik keine Aspirationspneumonien mehr beobachten.
Ein wesentlicher Gesichtspunkt unserer Therapie bei neurogene r Dysphagie ist die Behandlung im interdisziplinärem Team. Dies beginnt mit der medizinischen Basisversorgung im stationären Alltag, von pflegerischer Seite heißt dies orale Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr nur unter sorgfältiger Beobachtung, optimale Mund- und Zahnpflege, konsequente Atemtherapie, Aktivierung und Mobilisierung des Patienten, Aufrichten des Oberkörpers zum Essen, Vermeiden von nasalen Ernährungssonden über längere Zeit, etc..
Die genuine Therapie bei neurogene r Dysphagie wird in unserer Klinik durch die Sprachtherapeuten gewährleistet, unter der Überschrift funktionelle Schlucktherapie kommen restituierende, kompensatorische und adaptive Verfahren zum Einsatz. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Küche des Hauses, um die Kostformen gestuft an die Schluckfähigkeit des Patienten anzupassen.
Die Therapien werden vorwiegend in Einzeltherapie durchgeführt, zusätzlich gibt es mittags den sogenannten „Dysphagie-Tisch“ bei dem mehrere Patienten in der Gruppe beim Mittagessen therapeutisch begleitet werden. Die Klärung der Frage, ob die Oralisierung möglich ist oder ob auf eine nasogastrale oder enterale Sonde (PEG) zurückgegriffen werden muss, wird ebenfalls im Team geklärt. Bei anstehender Entlassung erfolgt, wenn möglich, eine Absprache mit den Therapeuten vor Ort, eventuell die Verordnung notwendiger Hilfsmittel wie Ernährungssonden und Nahrungspumpen wird von der Klinik eingeleitet.
Das Phänomen neurogene r Dysphagie geht häufig mit einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität einher, weil die ansonsten selbstverständliche Nahrungsaufnahme nicht mehr vollständig gewährleistet ist. Der Leidensdruck der betroffenen Patienten ist besonders hoch. Es ist somit unabdingbar, den Patienten bei der Krankheitsverarbeitung zu unterstützen.
Abschließend kann gesagt werden, dass die für die Diagnostik und Behandlung von neurogene r Dysphagie erforderliche interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Klinik am Osterbach gewährleistet ist. Hier sind unter einem Dach eine neurologische und HNO-ärztliche Klinik vereint. An diagnostischen Verfahren steht neben der flexiblen Fiberglasendoskopie auch die starre Laryngoskopie zur Verfügung. Therapeutisch bemühen sich Neurologen, HNO-Ärzte, Logopäden, Neuropsychologen und klinische Linguisten um die Patienten.
Dr. med. W. Jütte
Abteilung für Neurologie
mit neurologischer Psychosomatik
Sekretariat der Abteilung Neurologie:
Telefon 05731 159-713
Fax 95731 159-704
Email Knauf@klinik-am-osterbach.de

Chefarzt Dr. med. Volker Bachmann
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Aktualisiert am 10.11.2010